Cleaneating – Wann ist Essen sauber?

Ein bunter Marktstand in der Region – Für mich der Inbegriff von Cleaneating.

Ein bunter Marktstand in der Region – Für mich der Inbegriff von Cleaneating.

Der Begriff «Cleaneating» ist aktuell in aller Munde. Doch was definiert dieser Begriff eigentlich? Ich habe ein bisschen recherchiert und komme zum Schluss, dass – wie so oft wenn es um Ernährung geht – ein Begriff von jeder Person die ihn benutzt, anders interpretiert wird. Für einige bedeutet Cleaneating nur, dass die Lebensmittel die man isst, natürlich, also nicht industriell verarbeitet sind. Ernährungsberater, Foodblooger, Menschen die sich nach dieser sehr einfachen Definition richten, zählen dazu oft auch unverarbeitete tierische Produkte wie z.B. Eier, Rohmilch usw. Denn für sie zählt nur die Natürlichkeit der Produkte, die Hintergründe der Produktion werden dabei aussen vor gelassen. Für mich passt diese Definition nicht. Denn was Tierleid verursacht und – im Falle von Fleisch – inzwischen selbst von der WHO als krebsfördernd eingestuft wird, kann nicht «sauber» sein und meinem Körper, meinem Geist und meiner Seele gut tun.

Die Zeitschrift «Women’s Health» ist in einem Artikel zum Thema weiter gegangen. Sie geht zwar ebenfalls von natürlichen unverarbeiteten Lebensmitteln aus und auch in ihrer Definition sind tierische Produkte enthalten. Zusätzlich wurden in der Zeitschrift aber folgende zehn Regeln als Richtlinien für Cleaneating zusammengestellt:

• viele Mahlzeiten mit kleinen Portionen
• Kochsalz reduzieren
• möglichst alle Eiweissquellen mit Kohlenhydraten kombinieren
• mehr gute Fette
• am Zucker sparen
• künstliche Süsstoffe meiden
• Zusatzstoffe verbannen
• mehr Obst und Gemüse nach Saison kaufen
• Frühstück ist Pflicht
• viel Wasser, Alkohol meiden

Was ich von diesen zehn Punkten halte

Mit einigen dieser zehn Punkte stimme ich überein, einige sind für mich im Zusammenhang mit Cleaneating eher absurd. Gehen wir also Punkt für Punkt durch:

Viele Mahlzeiten mit kleinen Portionen: Für mich hat diese Regel nichts mit natürlicher unverarbeiteter Ernährung zu tun. Zudem plädiere ich für wenige Mahlzeiten pro Tag (höchstens drei) mit Essenspausen von mindestens vier Stunden (für Veganer) dazwischen. Für Allesesser empfehle ich mindestens fünf Stunden zwischen den Mahlzeiten, weil tierische Produkte sehr schwer verdaulich sind. Detailliert darauf einzugehen, ginge an dieser Stelle zu weit. Ich werde zu diesem Thema zu gegebener Zeit einen eigenen Artikel schreiben.

Kochsalz reduzieren: Dem stimme ich sehr zu, denn Kochsalz ist kein natürliches Nahrungsmittel, sondern ein industriell verarbeitetes. Ich empfehle, möglichst wenig Salz zu konsumieren, da dieses den Blutdruck erhöht und somit Herz-Kreislauf-Erkrankungen begünstigt. Kochsalz kaufe ich nie. Ich verwende handgeschöpftes Meersalz oder Kräutermeersalz mit einem hohen Kräuter- und Gemüseanteil.

Möglichst alle Eiweissquellen mit Kohlenhydraten kombinieren: Dieser Punkt hat meines Erachtens gar nichts mit Cleaneating zu tun, sondern ist einfach das Gegenteil von Trennkost. Egal ob man Eiweissquellen mit Kohlehydraten kombinieren möchte oder Verfechter der Trennkost ist, Cleaneating ist in beiden Fällen möglich, denn beide Ernährungsweisen kann man mit natürlichen, unverarbeiteten und vor allem gesunden veganen Lebensmitteln umsetzen.

Mehr gute Fette: Da kommt von mir ein Jein. Die Formulierung ist sehr speziell. Für mich tönt sie so, dass man zwar gute Fette essen soll, aber auch viel Fett bzw. mehr Fett als normalerweise empfohlen wird. Vermutlich wurde dieser Punkt einfach unglücklich formuliert. Ich empfehle tendenziell eher wenig Fett zu essen und vor allem «ganze» Fettquellen wie Avocados, Oliven oder Nüsse. Extrahierte Fette sind für unseren Stoffwechsel ungünstiger, auch wenn sie kaltgepresst sind. Kleine Mengen Kokosöl, Leinöl, Hanföl oder auch Olivenöl als Geschmacksträger sind für mich aber in Ordnung. Denn auch gesundes Essen soll richtig gut schmecken und wir sind uns nun mal von klein auf an Geschmacksverstärker gewöhnt. Ein Schuss Kokosöl und ein Löffel Kokosmus im Thaicurry sind auf jeden Fall gesünder als Glutamat, das in vielen asiatischen Restaurants und Take aways als Geschmacksverstärker üblich ist.

Am Zucker sparen: Diesem Punkt stimme ich sehr zu. Industriezucker ist ein Krankmacher. Er fördert entzündliche Prozesse, macht süchtig und wirkt auf eine schlechte Darmflora (z.B. mit zu vielen Hefepilzen) wie ein Brandbeschleuniger. Ich gehe sogar so weit, dass ich empfehle alle Zuckerarten – auch Fruchtzucker in Form von Früchten – nur in kleine Mengen zu essen. Ich persönlich esse im Schnitt nicht mehr als zwei mittelgrosse Früchte (wie Äpfel, Birnen, Bananen, Kakis etc.) pro Tag. Allerdings gilt zu sagen, dass sich Früchte weniger schlecht auf den Blutzucker und auf den Stoffwechsel auswirken, wenn sie mit grünen Blättern kombiniert und mit Zimt angereichert werden. Aber auch im grünen Smoothie sollte höchstens die Hälfte der Zutaten aus Früchten bestehen und mindestens die Hälfte aus Grün und eventuell Chiasamen, Hanfsamen oder Kokosmus. Hier heulen nun einige auf, die der Meinung sind, grüne Smoothies dürften nur aus Früchten und Grünzeug gemixt werden. Ich sehe das anders. Fetthaltige Superfoods wie Avocado, Chiasamen oder geschälte Hanfsamen mische ich in kleinen Mengen sehr gerne in den Smoothie. Sie verbessern die Aufnahme von fettlöslichen Vitaminen und helfen einem, länger satt zu bleiben.

Künstliche Süsstoffe meiden: Auch bei diesem Punkt gibt es von meiner Seite ein Jein. Natürlich finde ich diese künstlichen Süsstoffe wie Aspartam nicht empfehlenswert. Aber zum Beispiel Xylit aus Birke und Buche (nicht aus Mais!) oder flüssiges Stevia halte ich für wesentlich gesünder als Industriezucker. Natürlich kann man auch natürliche Steviablätter verwenden, diese sind aber viel schwieriger zu dosieren als flüssiges Stevia, das man tropfenweise portionieren kann.

Zusatzstoffe verbannen: Ein klares Ja. Künstliche Zusatzstoffe haben in gesundem, sauberen Essen nichts zu suchen.

Regionales, saisonales Obst ist importierten exotischen Früchten vorzuziehen.

Regionales, saisonales Obst ist importierten exotischen Früchten vorzuziehen.

Mehr Obst und Gemüse nach Saison kaufen: Ein wichtiger Punkt. Salate, Gemüse und Früchte sollten wenn immer möglich saisonal und regional eingekauft werden. Beeren zum Beispiel lassen sich wunderbar einfrieren, so dass man sie auch für’s Weihnachtsdessert zur Hand hat. Allerdings habe ich selber nur ein Gefrierfach, kann also nur kleine Mengen einfrieren. Und den ganzen Winter nur unser einheimisches Obst zu essen, ist dann doch etwas eintönig. Von daher kaufe auch ich Bananen und ab und zu mal eine Ananas, Mango oder eine Papaya. Da achte ich dann einfach darauf, möglichst bio oder zumindest Fairtrade einzukaufen.

Frühstück ist Pflicht: Das ist wieder so ein Punkt, bei dem mir nicht klar ist, was er mit Cleaneating zu tun hat. Cleaneating definiert was man in welcher Form isst, aber nicht wann man es isst. Aber mal abgesehen vom Thema Cleaneating gilt für mich: Unser Körper entgiftet ungefähr in der Zeit von Mitternacht bis am Mittag des nächsten Tages am stärksten. Es macht Sinn, ihn in dieser Zeit nicht mit neuer Nahrungszufuhr zu belasten. Daher lasse ich das Frühstück aus. Ich habe am Vormittag sowieso keinen Hunger. Wenn jemand morgens sehr früh aufsteht oder allgemein morgens schon hungrig erwacht, empfehle ich, einfach möglichst spät zu frühstücken. Die Theorie «morgens wie ein Kaiser, mittags wie ein König und abends wie ein Bettler» ist nicht mein Ding.

Viel Wasser, Alkohol meiden: Ganz klar: Alkohol ist ein Suchtmittel und sollte daher nur ausnahmsweise in kleinen Mengen getrunken werden. Das natürlichste Getränk für alle Lebewesen ist und bleibt Wasser.

Meine persönliche Definition von Cleaneating

Zum Schluss dieses Artikels möchte ich aber natürlich noch darauf eingehen, wie ich Cleaneating definiere und auch praktiziere. Ja – auch ich habe meine ganz eigene Definition dafür entwickelt. Cleaneating bedeutet für mich, dass man – wenn immer möglich – nur Dinge isst, die weder den Menschen, den Tieren noch der Umwelt Schaden zufügen. Also vegan, biologisch, möglichst unverarbeitet, weitestgehend weizen- und industriezuckerfrei und natürlich frei von Suchtmitteln wie Drogen, Zigaretten, Alkohol und Kaffee.

Vegan, weil tierische Produkte unserer Gesundheit schaden. Tierische Proteine übersäuern den Körper, tierische Fette begünstigen Herz-Kreislauferkrankungen und Fleischprodukte, vor allem stark verarbeitete, sind krebserregend, was inzwischen auch die WHO bestätigt. Zudem ist die Produktion tierischer Lebensmittel die Hauptursache des Tierleids auf dieser Erde und schadet der Umwelt durch den immensen CO2-Ausstoss.

Biologisch, um die Umwelt zu schützen und die Lebensmittel frei von Pestiziden und Giften aller Art zu halten.

Unverarbeitet, nur schonend zubereitet und mindestens zur Hälfte ganz roh, damit die Nährstoffe und Enzyme möglichst erhalten bleiben und unser Körper optimal versorgt wird.

Möglichst weizen- und industriezuckerfrei, weil sowohl Weizen wie auch Zucker süchtig macht und vor allem Zucker entzündliche Prozesse fördert und Parasiten und Pilze (z.B. Candida albicans) füttert und vermehrt. Die Glutenproblematik ist ebenfalls Thema. An dieser Stelle möchte ich darauf aber nicht eingehen. Es wird sicher einmal einen separaten Beitrag zu Gluten geben.

Dass Cleaneating auch bedeutet, auf Suchtmittel wie Drogen, Zigaretten, Alkohol und Kaffee zu verzichten, erachte ich als selbsterklärend. Für mich gehören in diese Kategorie auch Medikamente, wenn sie unnötig und übermässig eingesetzt werden. Ich persönlich nehme nur Medikamente, wenn ich schwer krank bin, alle alternativen Möglichkeiten ausgeschöpft sind und ich bleibende Schäden befürchten muss oder mich in Lebensgefahr fühle. Das tönt jetzt sehr extrem, ist in meinem Fall aber wirklich so. Wer mehr über meine persönliche Einstellung zur Schulmedizin erfahren möchte, liest meine Geschichte.

Soweit meine Definition und meine Praxis von Cleaneating. Mich interessiert es sehr, was ihr darüber denkt, ob ihr euch überhaupt schon damit auseinander gesetzt habt und wenn ja, wie eure Definition des Begriffs lautet. Schreibt eure Meinung dazu in die Kommentare, ein reger Austausch zum Thema würde mich sehr freuen.

6 Kommentare

  1. Sylvia

    Ich teile Deine Definition von Claan Eating. Bullshit, dass manche gleich wieder ErnährungsREGELN daraus machen. Für mich bedeutet es

    bio
    regional
    unverarbeitet (erworben)
    und natürlich nur pflanzlich

    Ich bin kein Rawtill4-Fundamentalist, auch wenn ich am Vormittag Smoothie oder Salat verzehre, sondern genieße das meiste Gemüse dampfgegart, also nur durch Wasserdampf verändert, selbstverständlich konventionell. Die Mikrowelle durfte aus meinem Haushalt ausziehen. – Mein Gemüseanteil in Bezug auf die tägliche Kalorienmenge variiert zwischen 40 und 80%. Tofu und andere Dinge aus der Fabrik sucht man in meinem Haushalt vergeblich.

    Spannend, von ähnlichen Erfahrungen zu lesen 🙂

    Alles Gute weiterhin.

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    1. Barbara Würmli (Beitrag Autor)

      Liebe Sylvia
      Wir sind wohl auf einem ähnlichen Dampfer. Wenn ich mir den Tag total selber einteilen kann, esse ich tagsüber sehr gerne roh. Wenn ich aber unterwegs bin, esse ich oft Salat und noch Kartoffeln dazu. Denn die Salate in Restaurants machen selten richtig satt. Ich bin da auch überhaupt nicht dogmatisch. Ich esse auch meistens glutenfrei, industriezuckerfrei und salzarm. Aber auch da bestätigt die Ausnahme die Regel. Ich mag mir das Leben nicht künstlich schwer machen. Ich esse auch ganz gerne ab und zu Tofu, Seitan und diese üblichen Fleischimitate sind bei mir aber auch kein Thema.

      Antworten
  2. Hans-Jürgen

    Liebe Barbara,
    ich kann Dir in allen Punkten nur voll zustimmen und die von Dir erstellte Definition von Cleaneating teile ich ebenfalls. Danke für den aufklärenden Beitrag!
    Liebe Grüße
    Hans-Jürgen

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    1. Barbara Würmli (Beitrag Autor)

      Danke, Hans-Jürgen. Eigentlich müsste sich die Veganszene dafür einsetzen, dass tierische Produkte, die wohl immer mit Tierleid behaftet sind, als «clean» bezeichnet werden dürfen.

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  3. Barbara Würmli (Beitrag Autor)

    Danke, liebe Astrid. Leider ist auf meinem Blog das Plugin für die Benachrichtigung (wenn ich einen Kommentar beantworte) noch nicht installiert. Ich hoffe, dass ich bald mal dazu komme… Im Moment rennt die Zeit extrem…

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  4. Astrid

    … ich liebe Deine unangepasste und kritische Art auf scheinbar „bewiesene“ Dinge. Ich verzichte zudem weitgehendst auf Verpackungen. Das gehört für mich auch dazu. Und das „Einfliegen“ von Superfood vom anderen Welt empfinde ich als schwierig. Deine Sicht zum Frühstück teile ich zu 110 % ;-)!!!
    Danke für Deine Gedanken zum Cleaneating.
    Liebe Grüße
    Astrid

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