Vegan essen verändert Leben – Interview mit Juliane von Veganaholic

Im Herbst 2013 wurde Juliane Anker durch Attila Hildmanns «Vegan for Fit-Challenge» auf die vegane Ernährung aufmerksam. Danach hat sie ihr Leben total umgekrempelt. Aber lassen wir uns die Geschichte von Juliane selber erzählen…

Juliane ernährt sich nicht einfach nur vegan, sie setzt auf veganes Cleaneating mit möglichst vielen unverarbeiteten Nahrungsmitteln. – Fotos: zvg

Juliane ernährt sich nicht einfach nur vegan, sie setzt auf veganes Cleaneating mit möglichst vielen unverarbeiteten Nahrungsmitteln. – Fotos: zvg

Nachgefragt bei Juliane Anker

Liebe Juliane, erstmal herzlichen Dank, dass du dir die Zeit für dieses Interview nimmst. Magst du den Lesern in einigen Sätzen erzählen, wie du auf Vegan for Fit gekommen bist und wie sich durch diese Challenge dein Leben verändert hat?

Juliane Anker: Hallo Barbara, ich freu mich sehr, dabei zu sein 🙂 Wie sich mein Leben durch die Challenge verändert hat, ist in wenigen Sätzen schwer zu beschreiben. Angefangen hat es eigentlich damit, dass ich mich sehr unwohl in meiner Haut fühlte – ich war übergewichtig, antriebs- und energielos und ein echter Couchpotato. Nach ein paar kläglich gescheiterten Diät-Versuchen bin ich durch Zufall auf die Vegan For Fit-Challenge gestossen und war gleich so Feuer und Flamme, dass ich drei Tage später alles eingekauft und losgelegt habe. Vorerst war sie nur für 30 Tage geplant, doch schon nach kurzer Zeit fühlte ich mich wie neugeboren. Ich war tagsüber nicht mehr müde, hatte mehr Lust mich zu bewegen und vor allem hatte ich plötzlich Spass daran, in der Küche zu stehen und den (veganen) Kochlöffel zu schwingen. Das kannte ich vorher gar nicht von mir! Nach der Ernährungsumstellung veränderten sich dann auch andere Bereiche meines Lebens grundlegend. Wenn man zum ersten Mal wirklich bewusst lebt, stellt das viele Dinge auf den Kopf.

Gab es Dinge, die dich auf diesem Weg gebremst haben – vielleicht Menschen in deinem Umfeld, die dich kritisierten – oder ging es immer geradeaus, ohne dass du je an deiner Entscheidung gezweifelt hast?

Gerade in den ersten Tagen war es manchmal nicht so einfach. Meine Familie konnte es nicht verstehen, wieso ich plötzlich keine Milch mehr trinke und die Arbeitskollegen schauten mich beim Thema Vegan eher mitleidig als interessiert an. 😉 Dennoch denke ich, dass ich wirklich Glück hatte, denn die Leute in meinem Familien- und Freundeskreis stehen immer hinter mir, egal welche Entscheidungen ich für mein Leben treffe. Auch das trug meiner Meinung nach massgeblich dazu bei, dass ich das Ganze so diszipliniert durchziehen konnte.

Jeder Mensch reagiert anders

Hattest du während der Ernährungsumstellung auch mal Probleme, zum Beispiel unangenehme Entgiftungssymptome, Verdauungsprobleme oder sonstiges?

In der ersten Woche hatte ich mit ein paar Verdauungsproblemen und mit Kopfschmerzen zu kämpfen. Meine Haut wurde schlagartig schlechter, das hielt allerdings nur drei bis vier Tage an. Insgesamt habe ich aber auch dabei wirklich Glück gehabt, denn diese Entgiftungssymptome haben mich im Alltag kaum beeinflusst, geschweige denn beeinträchtigt. Ich hatte vermutet, dass mein Körper heftiger auf die Umstellung reagiert, denn meine Ernährung war vorher wirklich katastrophal. Man muss aber auch dazu sagen, dass natürlich nicht jeder Mensch gleich reagiert, denn unser Körper ist nun mal keine Maschine.

Du hast durch die vegane Ernährung nach Attila Hildmann sehr viel abgenommen. Hast du das Ganze als Diät empfunden und einige Lebensmittel oder spezielle Gerichte vermisst?

Kaum zu glauben, aber mir hat wirklich nichts gefehlt. Gar nichts! Ich habe vielleicht in den ersten zwei oder drei Tagen ab und zu nochmals an Käse gedacht – ich habe Käse vorher abgöttisch geliebt, ansonsten war und bin ich rundum zufrieden. Ich habe in der gesamten Challenge-Zeit so viel gekocht wie noch nie zuvor, habe neue Lebensmittel und Kombinationen kennengelernt und es wirklich lieben gelernt, in der Küche zu stehen und mich mit den Lebensmitteln zu beschäftigen, die ich konsumiere. Genau aus diesem Grund habe ich die Umstellung überhaupt nicht als Verzicht gesehen, sondern als wahnsinnig grosse Bereicherung und als Erweiterung meines (kulinarischen) Horizonts. Und auch wenn man sich nicht nach bestimmten Konzepten vegan ernährt – spezielle Gerichte muss man nicht vermissen. Es gibt für nahezu alle Gerichte dieser Welt eine «veganisierte» Version, die oftmals sogar viel besser schmeckt als die «normale». Ich denke da zum Beispiel an leckere Orangen-Muffins oder sogar an den «falschen Hasen».

Hat sich auch gesundheitlich etwas verändert? Hattest du allenfalls früher Symptome oder sogar Krankheiten, die sich durch die Ernährungsumstellung gebessert haben oder hat sich psychisch/geistig etwas verändert?

Ich war körperlich nie wirklich krank, für eine Frau im Alter von 22 Jahren aber auch alles andere als fit. In der Zeit vor der veganen Ernährung quälte ich mich oftmals mit Verdauungsproblemen, fühlte mich aufgebläht und spürte manchmal gar nicht, wann ich eigentlich satt war. Durch das ständige Fast Food und die Convenience Produkte hatte ich das natürliche Gefühl für meine Sättigung total verloren und ass daher oftmals mehr als ich vertragen konnte. Gepaart mit wenig Bewegung kam das Übergewicht ziemlich schnell. Mit der Umstellung kam dann auch endlich das Bewusstsein dafür wieder – und damit auch ein viel besseres Gefühl für meinen Körper.

Psychisch hat sich ebenfalls so einiges verändert. Wie ich oben schon erwähnte, war die Ernährungsumstellung der sprichwörtliche Stein, der alles ins Rollen gebracht hat. Was am Anfang noch aus rein gesundheitlichen Gründen begann, entwickelte sich so langsam auch zu einer ethischen/moralischen Grundeinstellung, denn natürlich befasst man sich auch grundlegend mit der veganen Ernährung und ihren Motiven. Als ich zum ersten Mal bewusst realisierte, was wir unseren Tieren in der heutigen Zeit antun und wie gestört das Mensch-Tier-Verhältnis (nicht nur) in Bezug auf unsere Ernährung ist, veränderte sich mein Leben grundlegend. Ich sehe heute viele Dinge aus anderen Perspektiven und scheue mich nicht mehr davor, «anders» zu sein.

So sieht ein Einkauf von Juliane heute aus...

So sieht ein Einkauf von Juliane heute aus…

Lebst du auch heute noch nach dem AH-Konzept oder hat sich daraus dein ganz eigenes Konzept entwickelt?

Inzwischen habe ich tatsächlich mein eigenes Konzept entwickelt. Besonders die Einteilung in zwei Stufen sehe ich heute viel gelassener und esse auch abends um 22 Uhr nochmals etwas Kleines, wenn ich Hunger habe. Ausserdem habe ich das Fett in meiner Ernährung etwas reduziert – einfach, weil ich mich damit besser fühle. Ganz wichtig finde ich es aber auch heute noch, möglichst unverarbeitet zu essen und keine so genannte leeren Kohlenhydrate, wie Weissbrot oder industriellen Zucker, zu mir zu nehmen. Ich bin aber kein Fan davon, meine Ernährung zu labeln und mir irgendwelche Stempel aufzudrücken – ich esse einfach so gesund und clean wie es mir möglich ist.

Wie sieht dein «What I eat» aktuell an einem durchschnittlichen Tag ungefähr aus? Und wie viel Sport bzw. Bewegung gehört dazu?

Ein typischer Tag sieht ungefähr so aus:
Morgens: wahlweise Vollkornbrot mit Avocado, Müsli oder Smoothie
Mittags: Salat, Obst oder Gemüsesticks mit Hummus
Abends: Vollkornreis/Quinoa/Kartoffeln mit gebratenem Gemüse

Im Idealfall erledige ich vieles zu Fuss und gehe abends noch für ca. 1,5 Stunden ins Fitness-Studio. Wenn das Wetter wieder schöner ist, geht’s zur Uni oder Arbeit nur noch mit dem Fahrrad. Ich finde, auch in stressigen Unizeiten ist Bewegung besonders wichtig (und gerade dann, als Ausgleich), denn man spürt sofort mehr Energie und Lebensfreude, wenn man sich an der frischen Luft bewegt.

Auch wenn man vegan isst, lauern Versuchungen

Bleibt dein Gewicht mit deiner aktuellen Lebensweise immer konstant so, wie du es möchtest oder wie du dich wohlfühlst oder gibt es auch Phasen, wo du dich wieder challengen musst, um nicht mehr zuzunehmen?

Eins kann ich sagen: an jeder Ecke lauern viele Versuchungen, an denen man nicht immer vorbeikommt. 😉 Gerade aufgrund der aktuellen Vielfalt an veganen Lebensmitteln und Restaurants gibt es jede Menge neue Möglichkeiten für Veganer, die nicht immer ganz dem Konzept von Cleaneating entsprechen. Vegan bedeutet also nicht gleich gesund. Durch diese Versuchungen habe ich das ein oder andere Kilo wieder zugenommen, bei Cleaneating mit einer guten ausgewogenen Ernährung sollte das allerdings kein Problem sein. Das erfordert bei mir manchmal noch ein bisschen Disziplin, das muss ich ehrlich zugeben.

...und solche Leckereien zaubert sie daraus. Tolle Rezepte findet ihr auf Julianes Blog Veganaholic.

…und solche Leckereien zaubert sie daraus. Tolle Rezepte findet ihr auf Julianes Blog Veganaholic.

Du wurdest durch deine Ernährungsumstellung auch dazu motiviert, deinen Blog «Veganaholic» zu starten. Wie ist es dazu gekommen und was möchtest du mit dem Blog erreichen oder bewirken?

Als ich in der Umstellungsphase immer wieder zum Thema vegane Ernährung ausgefragt wurde und ich merkte, dass es da noch jede Menge Aufklärungsbedarf gibt, war meine Entscheidung schon getroffen. Meine Leidenschaft galt schon seit der Grundschule dem Schreiben und so schrieb ich super spontan meinen ersten Artikel für meinen Blog. Ich nahm meine Leser quasi mit auf meine Vegan-Reise und das kam ziemlich gut an. Zwischendurch gab es dann auch Produktinfos, Tipps zum Start und viele andere Sachen, die mir auf dem Herzen lagen.

Mein Ziel mit dem Blog ist es zu vermitteln, dass ein veganes Leben überhaupt nicht kompliziert, anstrengend oder «öko» sein muss. Vegan ist absolut im Trend und es ist heute einfacher denn je, sich rein pflanzlich zu ernähren. Auf meinem Blog möchte ich nicht mit erhobenem Zeigefinger schreiben (wobei auch das manchmal nötig ist), sondern meine Leser über den kulinarischen Genuss und den veganen Lifestyle informieren – und sie im besten Falle begeistern.

Soweit ich weiss, studierst du noch. Hast du auch Pläne, die vegane Lebensweise oder die vegane Ernährung zu deinem Beruf oder zumindest zu einem beruflichen Standbein zu machen?

Definitiv! Mit meinem Blog habe ich mich schon selbstständig gemacht und möchte in Zukunft sehr gern mit unterstützenswerten Unternehmen und Menschen kooperieren. Ausserdem wird noch dieses Jahr ein eBook veröffentlicht, an dem ich gerade fleissig tüftle. Neben der Uni, bei der es gerade in die Endphase geht, ist das manchmal zeitlich nicht ganz einfach zu managen. Dafür lasse ich mein Ziel nie aus den Augen und bin mir sicher, dass da noch so einiges kommen wird. 😉

Zu guter Letzt: Wenn jemand auf vegane Ernährung umstellen möchtest, rätst du der Person, einfach mal anzufangen und sich das nötige Wissen selber beizubringen oder findest du es sinnvoller, wenn man sich an ein bestehendes Konzept hält – wie du es getan hast – oder sich vielleicht sogar von einem Coach persönlich und detailliert begleiten lässt?

Meiner Meinung nach ist es absolut nicht nötig, sich von einem Coach begleiten zu lassen. Klar ist es mit Begleitung vielleicht ein bisschen leichter beim Umstieg, denn am Anfang bekommt man so viel Input und verschiedene Meinungen, dass man sich erstmal orientieren muss. Ich finde allerdings, dass man ja erstmal ganz unkompliziert starten und zum Beispiel altbekannte Lebensmittel wie Milch einfach durch vegane Produkte ersetzen kann. So bekommt man schnell ein Gefühl für neue Dinge und kann nach und nach seine Ernährung umstellen. Auch wenn man – so wie ich damals – von einen Tag auf den anderen umsteigen will, stehen im Internet, auf Blogs und in diversen Kochbüchern so viele Rezepte zur Verfügung, dass man sich in der Küche total ausleben kann.

Eine Sache, die mir aber dennoch wichtig ist: man sollte sich mit seiner Ernährung beschäftigen. Ich finde es wichtig, zumindest ungefähr zu wissen, wo ich mein Eisen, meine Proteine, Vitamine und Co. herbekomme und den Speiseplan danach auszurichten. Das gehört zu einer verantwortungsvollen veganen Ernährung (und auch bei allen anderen Ernährungsformen) meiner Meinung nach auf jeden Fall zu.

Nochmals lieben Dank, Juliane, dass du dir die Zeit genommen hast und uns einen so persönlichen Einblick in deine Lebensweise gegeben hast. Die Leser von Superfutter und ich wünschen dir für die Zukunft alles Gute und viel Erfolg bei allem was du anpackst.

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